Vom Wesen der Denkmalspflege

Mal vorab. Ich bin Künstler und ich mag interessante Kunst, vor allem auch im öffentlichen Raum. Wären die Begleitumstände nicht so merkwürdig könnte man dazu neigen, dass neue Werk von Juan Ripollés aus Castellon durchaus und vor allem auch im Wortsinne großartig zu finden. Seine Nähe zu lokalen politischen Größen mag dem berühmten Bildhauer sicher so manches Mal zum Vorteil gereicht haben, vielleicht auch als es die Idee umzusetzen galt, am für Flugzeuge und Besucher gesperrten neuen Flughafen eine Statue zu errichten. Diese Statue werde eine "Hommage an Carlos Fabra", ließ er verkünden, unserem  ehemaligen poltischen Regionalfürsten, gestählt durch viele Gerichtsverfahren, der jetzt, oh Überraschung, auch der Vorstandchef der fast bankrotten Flughafenbetreibergesellschaft ist. Vor einem halben Jahr ging ein Aufschrei durch die Presse, in diesen Krisenzeiten solch ein teures Mahnmal zu errichten, dass immerhin 350 Tsd. Euro kosten soll. Und wie immer, als der Rauch verzogen war, hat man es trotzdem in Auftrag gegeben, denn Proteste haben hier noch nie jemanden interessiert. Jetzt rätselt man, ob das Anlitz der Skulptur Fabra ähnlich sei, aber der Bildhauer Ripollés hat sich dagegen verwahrt, dazu sei sie zu abstrakt. Ich für mich habe entschieden, dass man der Statue die berühmte Fabra Sonnenbrille erst gar nicht mit Photoshop aufzusetzen braucht, sondern man schaue sich nur die gigantische offene, ja fast fordernde, gierige Hand an, die weit ins Land hineinragen wird. Noch ein paar goldene Kugeln zwischen die Finger montiert, ein goldenes Eurozeichen auf dem Kopf, und ein paar Pleitegeier aus Keramik auf dem Platz verteilt, und schon wäre es wirklich ein perfekte Hommage an Carlos Fabra, die einen hohen Wiedererkennungswert hätte. Die Skulptur wird schlussendlich 24 m hoch werden, immerhin gut 14 x größer als Fabra selbst ist. Das nordkoreanische Kim--Il Sung Denkmal in der Nähe von Pjöngjang ist nur 20 m hoch. Das sollte doch eigentlich jeden Spanier demütig, aber auch etwas nachdenklich stimmen. Genug des Größenwahnsinns ? Nein ? Gestern wurde in der Presse bekannt, dass der Flughafen ohne Flugzeuge sich trotz allem in den letzten drei Jahren darum bemüht hat, sowohl für sich selbst, als auch für die Region Werbung zu betreiben. Dafür wurden mehr als 30 Millionen Euro ausgegeben, die zum großen Teil auch im Sportsponsoring, wie für das Golfturnier in Castellon und den FC Villarreal, aber auch für anderes Sinnloses investiert wurden. Keiner hat gemerkt, dass es keine billigere Werbung gibt, als einen Flughafen ohne Flugzeuge zu betreiben, um auch so in kurzer Zeit weltberühmt werden zu können.

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